RÄTSELKUNST 10

Das Bild, nach dem dieses Mal gesucht wird, ist von einem der bedeutendsten Maler der ‘klassischen Moderne’.

Auf dem sehr großformatigen Bild (es ist über zwei Meter hoch!) sieht man drei unbekleidete Frauen in einer Landschaft. Links steht eine Frau direkt am Bildrand. Sie ist dem Betrachter frontal zugewandt, ihre Arme hängen zu beiden Seiten des Körpers herunter, ihren Kopf hält sie leicht gesenkt. Rechts von ihr hockt die zweite Frau auf dem Boden, ihre Arme verschwinden in einem Badetuch – sie scheint der ersten Frau die Füße zu trocknen. Unmittelbar darüber – oder dahinter – läuft die dritte Frau in die Bildmitte nach links, sie trägt in ihren Händen einen bunten Blumenstrauß. Die drei Frauen befinden sich an einer Art Strand, hinter der Gruppe sieht man eine große Wasserfläche, dahinter kugelartige Berge, über denen sich ein violett-gelber Himmel wölbt.

Dem Betrachter, der dieses Bild zum ersten Mal sieht, fällt vermutlich zunächst die intensive Farbigkeit auf. Orangerot-gelber Boden, blaugrün-weißes Wasser, Berge in Orange und Magentarot, der Himmel in Violett und Hellgelb. Dagegen sind die drei Frauen eher blass gehalten. Am intensivsten stechen noch die gelben Haare der hockenden Frau hervor. Verhältnismäßig klein, aber sehr vielfarbig ist der Blumenstrauß, den die dritte Frau trägt.

Durch die gemeinsamen blassen Farbtöne, die im Gegensatz zu den intensiven Farben des Grundes stehen, werden die drei Frauen kompositorisch miteinander verbunden, obwohl sich ja an sich nur die beiden vorderen in einer Bildebene zu befinden scheinen.

Aber auch die Landschaft ist merkwürdig flach. Das erreicht der Maler unter anderem dadurch, dass er die an sich entfernt liegenden Berge (die nach den Regeln der Luftperspektive in kaltem Blau erscheinen müssten) durch die warmen Orangetöne nach ‘vorn’ holt. Ein weiteres Mittel, das die Tiefenillusion verhindert, ist der relativ gleichmäßige Pinselduktus. Ein Wahrnehmungspsychologe und Kunstschriftsteller stellt noch mehr Bezüge fest, durch die ‘vordere’ und ‘hintere’ Teile miteinander verknüpft werden: “Das weiße Tuch ganz vorn entspricht der weißen Wolke ganz hinten, das Orange taucht in beiden Flächen auf, wie auch das Gelb der nackten Leiber.”

In der Behandlung der Figuren gibt es aber, obwohl sie insgesamt sehr flächig gemalt sind, einige Unterschiede. Während die stehende Frau fast vollständig zu sehen ist, sind bei den anderen einzelne Körperteile verdeckt. Weiter ist sie viel größer als die anderen. Ihr Kopf ragt bis an den oberen Bildrand, sie ist deutlicher gemalt – man kann das Gesicht im Halbprofil und den Körper von vorn sehen.

Ihre Haltung ist der klassische Kontrapost – d.h. sie steht auf ihrem rechten Bein, das linke ist das Spielbein. Die Hüfte über dem Standbein ist höher als die über dem Spielbein, bei den Schultern gibt es die entsprechende Gegenbewegung. Auch die leichte Neigung des Kopfes entspricht dieser klassischen Vorstellung.

Die beiden anderen Frauen sind dagegen deutlich weniger differenziert gemalt. Bei der hockenden sind es einzig die gelben Haare, die hervorstechen, bei der ‘hinteren’ ist es vor allem der bunte Blumenstrauß.

Schaut man sich die Position der ‘hinteren’ Frau noch einmal genauer an, stellt man fest, dass der Maler – bis auf die relative Kleinheit – alles vermieden hat, um sie räumlich als ‘hinten’ laufend einzuordnen. Tatsächlich muss sie vermutlich eher als ‘kleiner im Vordergrund befindliche’ gesehen werden – erst eine solche Sichtweise würde die hier gemalte Szene verständlich machen. Befände sie sich nämlich im Bildmittelgrund – also hinter den vorderen Frauen – liefe sie mit ihren Blumen aus dem Bild hinaus. Ist sie dagegen vorn im Bild, bringt sie den Blumenstrauß der stehenden Frau.

Damit hätte der Maler hier mit der Bedeutungsperspektive gearbeitet. Die wichtigste Person ist entsprechend groß und differenziert dargestellt, die anderen beiden sind ihr zu- und untergeordnet.

Der Bildtitel unterstützt diese Interpretation. Im Duden wird das Wort u.a. als “Aufwand, der normalen Rahmen (der Lebenshaltung) übersteigt…” beschrieben.

Wie heißt der Maler und welchen Titel hat das Bild?

Lösung