RÄTSELKUNST 6

Dieses Mal wird nach einem Bild gesucht, das zu einem größeren Ensemble – einem großen Altar mit verschiedenen Tafeln – gehört. Der Maler hat es als Auftragsarbeit für einen Ort gemalt, an dem Kranke Genesung finden sollten. Es ist also anzunehmen, dass es genau wie die anderen Bilder und Holzskulpturen, die zu dem Altar gehören, den Kranken Trost spenden und ihnen Kraft für ihr schweres Los geben sollten – vermutlich erhoffte man sich sogar eine Heilung von der damals als fast unheilbar geltenden Krankheit. Das galt um so mehr, als das Kloster, in dem sich die Krankenstation befand, dem Heiligen gewidmet war, nach dem man die Krankheit benannte. Heute gibt es diese Krankheit – zumindest bei uns – nicht mehr, eine verbesserte Kenntnis möglicher schädlicher Bestandteile von Nahrungsmitteln hat diese schlimme Seuche eliminiert.

Der Altar befindet sich nicht mehr an seinem ursprünglichen Platz, er ist in eine nicht weit entfernte Stadt in ein Museum überführt worden und beeindruckt und begeistert heute (bis auf Dienstags – ausnahmsweise ist dieses Museum an diesem Tag geschlossen!) jeden Tag eine große Anzahl Menschen. Das gesuchte Bild befindet sich auf einem der Flügel des Altars, man sieht es im aufgeklapptem Zustand auf der rechten Seite. Da es im geschlossenen Zustand die mittlere Tafel verdeckt und diese in der Mitte erhöht ist, hat es auf der rechten Seite ebenfalls eine Erhöhung.

Dargestellt ist die Auferstehung Christi – er schwebt oder fliegt schon in der oberen Hälfte des Bildes. Christus hält die Oberarme zur Seite und die Unterarme so nach oben, dass die offenen Handflächen in Augenhöhe sind. In den Händen befinden sich rote, etwas längliche Wundmale, von ihnen gehen gelbe Strahlen aus.

Das Gesicht mit den hellgelben, fast weißlichen Haaren und einem ebensolchen Bart leuchtet überirdisch, das einzig Dunkle sind die Augen – sie bilden mit den beiden Wundmalen in den Händen eine Waagerechte. Die Beine sind – vom Betrachter aus gesehen – parallel nach rechts verschoben – auch an den Füßen sind Wundmale zu erkennen.

Bedeckt ist er nur mit einem weiten, faltenreichen Tuch, das über die Oberarme nach unten bis etwa zu den Knien reicht, es lässt dabei einen Teil der Brust frei, auch dort befindet sich ein blutroter Einschnitt. Hinter ihm fällt das Tuch bis zur Öffnung eines rechteckigen Steinbehälters – des Sarkophags. Über die erstaunlichen Farben des Tuchs wird noch zu sprechen sein.

Vor und hinter diesem Sarkophag, von dem der ebenfalls steinerne Deckel abgerutscht ist, befinden sich einige uniformierte Männer – die Wächter. Sie sind offensichtlich in Panik, wenden sich von der Erscheinung ab, stürzen zu Boden oder halten die Arme erschreckt vor ihr Gesicht.

Im Hintergrund befindet sich im unteren Bereich eine rotbraune, grob behauene felsartige Masse. Daneben und darüber sieht man einen schwarzblauen Himmel mit Sternpunkten. Um den aufstrebenden Christus öffnet sich das Schwarzblau des Himmels in einer Kreisform, im äußersten Bereich ist es ein Hellblau, darauf folgt nach innen ein Orange, das zum Zentrum über Gelb immer heller wird. Obwohl die Gloriole um Christus also schon in einem ganz hellen Gelb gemalt ist, strahlt das Gesicht trotzdem noch einmal heller – das ist malerisch kaum vorstellbar. Vermutlich sind es die dunklen Punkte der Augen und der Stigmata in den Händen, die das ermöglichen.

Ist die Gloriole schon ein malerisches Kabinettstück, so ist das bereits erwähnte Tuch noch erstaunlicher. In der Nähe der Brust ist es in einem hellen Gelb gemalt, nach unten hin geht es über Orange zu einem Rot – zu den Knien hin durch weißliche Farbflächen unterbrochen. Hinter seinem linken Arm ist es zunächst Purpurrot, geht dann nach unten über ins Violette, von da über ein dunkles zu einem weißlichen Blau, bevor es am Sarkophagrand zu einem bläulichem Weiß wird.

Für mich ist es eines der beeindruckendsten Bilder, die überhaupt je gemalt worden sind. Wer ist der Maler, wie heißt der Altar und wo kann man ihn bewundern? (Zusatzfrage: Welche Farbe hat eigentlich das Tuch ‚in Wirklichkeit’?)

Lösung