RÄTSELKUNST 8

Das Bild, das dieses Mal Rätselthema ist, hat schon viele Interpreten beschäftigt. So gibt es durchaus widersprüchliche Interpretationen, auf sie wird später eingegangen werden.

Das sehr große Bild – es misst 318 x 276 cm – zeigt einen hohen Raum, in dem sich eine Reihe von Menschen befinden. Auf der linken Bildseite sieht man einen Teil der Rückseite einer großen Leinwand, vor dieser Leinwand steht ein elegant gekleideter Mann, in der linken Hand hält er eine Palette, in der rechten einen Pinsel. Der Mann schaut aus dem Bild heraus – direkt auf uns als Betrachter. Er scheint also das zu malen, was sich ‚vor dem Bild’ befindet. Vermutlich handelt es sich um etwas sehr Wichtiges, denn fast alle auf dem Bild befindlichen Personen sehen in diese Richtung.

Zur Mitte hin gibt es eine Dreiergruppe, sie besteht aus einem kleinen Mädchen, das von zwei größe-ren rechts und links flankiert wird. Das kleine Mädchen steht fast in der Mitte des Bildes, zusätzlich zu dieser zentralen Position wird es auch noch dadurch hervorgehoben, dass es überhaupt nicht verdeckt wird. Es trägt ein weißes, kostbar aussehendes Kleid, neigt den Kopf etwas zur Seite, schaut aber ebenso wie das rechts von ihm stehende auf den Betrachter. Dieses Mädchen deutet auch noch einen Knicks in ‚unsere’ Richtung an. Im Gegensatz dazu ist das Mädchen auf der linken Seite ganz dem kleinen Mädchen zugewandt.
Auf der rechten Bildseite stehen im Vordergrund eine Zwergin und ein kleiner Hofnarr, dieser steht mit dem linken Fuß auf dem Rücken eines vor den beiden liegenden großen Hundes.

Im Mittelgrund, hinter diesen sechs Personen sieht man auf der rechten Bildseite einen Mann und eine Frau miteinander sprechen. Links neben ihnen öffnet sich im Hintergrund der Raum in ein Treppen-haus, dort steht ein Mann auf den Stufen – auch er schaut in ‚unsere’ Richtung.
Es sind also auf den ersten Blick insgesamt neun Personen, die sich in dem Raum befinden. Schaut man nun aber genauer hin, dann sieht man, dass sich zwischen dem Maler und dem hinter der Tür stehenden Mann an der Rückwand ein Spiegel befindet. Auf ihm sieht man die Oberkörper einer Frau und eines Mannes. Sicher sind sie – das kann man schon an ihrer Kleidung sehen – sehr wichtige Personen.

Es erhebt sich nun die Frage, wo die Menschen, die man in dem Spiegel sehen kann, sich ‚in Wirk-lichkeit’ befinden. Stehen sie vor der gemalten Szenerie (also da, wo wir Betrachter uns heute befin-den)? Sind sie damit das eigentliche Thema des Bildes? Werden sie deshalb auch von den meisten Personen auf dem Bild angeschaut?
In einem bekannten Kunstlexikon fand ich genau diese Interpretation: Der Maler „arbeitet in eben die-sem Moment an einer nur rückwärtig zu sehenden riesigen Leinwand mit der Darstellung des (………) (Paares) auf das die Anwesenden blicken, das jedoch nur der matte Spiegel im Hintergrund sichtbar macht.“
Auch ein berühmter Philosoph des zwanzigsten Jahrhunderts hatte das angenommen. Er nahm dieses Bild gewissermaßen als Beleg für seine Darstellung einer Epoche an. Im Unterschied zur voran-gegangenen, die er als Epoche der ‚Ähnlichkeit’ bezeichnete, sei diese, die ‚klassische’ durch die ‚Repräsentation’ bestimmt. Und die ‚Repräsentation’ werde eben durch diese versteckte Darstellung sichtbar gemacht.

Vermutlich stimmt das aber alles gar nicht. Das Paar auf dem Spiegel ist so groß, dass es fast den ganzen Spiegel ausfüllt. Berücksichtigt man nun den Abstand, den die rückwärtige Wand und damit der Spiegel haben, können die Personen gar nicht so groß abgebildet werden. Sie müssten winzig klein erscheinen, außerdem müssten dann ja auch die Figuren, die wir hier von vorn sehen, im Spiegel zumindest teilweise von hinten zu sehen sein.
In einer anderen Theorie wird dagegen angenommen, dass alle Figuren in einen großen Spiegel schauen, der sich dort befindet, wo wir Betrachter sind – der Raum sei also insgesamt seitenverkehrt. Als ein Beweis wird dabei aufgeführt, dass das kleine Kind in der Mitte auf zwei anderen Bildern den Scheitel auf der anderen Seite hat, dass es also seitenverkehrt gemalt sei. Dagegen spricht, dass der Maler – der Rechtshänder war – hier aber auch den Pinsel in der rechten Hand hält. Wie auch immer, das Bild wird sicher auch noch in hundert Jahren den Kunstwissenschaftlern Rätsel aufgeben.
Wie heißt der Maler, wie das (aufregende) Bild und wo kann man es bewundern?

Lösung